Historie

Das Weben ist eine der ältesten Handwerkskünste, die es gibt. Schon im Mittelalter haben die Menschen aus Wolle oder Bast die ersten Gewebe hergestellt. Eines der ersten Produkte aus Geweben waren persische und ägyptische Teppiche. Die Technologie des Webens wurde lange erstmals nur händisch und mit improvisierten Hilfsmitteln ausgeübt, bis der erste richtige Handwebstuhl erstellt worden ist. Im 15. Jahrhundert entstand die erste Weberzunft in Augsburg. Durch sie kam die industrielle Weberei in Schwung. Die Mitglieder schlossen sich zusammen und begannen für die Dorfmitbewohner Textilien zu weben und zu verkaufen. Erst im 18. Jahrhundert wurde der erste mechanische Webstuhl mittels Schützentechnik von John Kay entwickelt. Edmond Cartwright verbesserte wenige Jahrzehnte später diese Technologie. Als die Industrielle Revolution Einzug in Europa fand, schlug sie auch auf die Textilindustrie über und die Webstühle wurden automatisiert und elektrifiziert bis sie so aussehen wie zu den heutigen Zeiten.

Eigenschaften

Die Eigenschaften eines Gewebes können vielfältig beeinflusst werden. Generell können die Eigenschaften in drei Bereiche eingeteilt werden. Die Optik, die Haptik und die physikochemischen Eigenschaften.

Optik

Die Optik meint alles, was vorherrschend mit dem Auge wahrnehmbar ist. Dazu zählt die Farbe, die Musterung, die Struktur des Gewebes, der Glanz, der Fall und jegliche Art von Fehlern.

Farbe
Farbe ist nicht gleich Farbe. Bei dem Faktor Farbigkeit spielen viele Einflüsse eine Rolle. Was für ein Material wird verwendet? Was für ein Färbeverfahren wird benötigt? Wurde das Textil bedruckt oder gefärbt? Welche Farbwerte hat die gewünschte Farbe? All diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden, um zu prüfen, ob die sichtbare Farbe wirklich korrekt ist.

Musterung
Die Musterung spielt in den Bereich der Farbigkeit mit herein. Ein Textil kann farblich gemustert sein. Hierbei gelten die selben Kriterien wie bei der Überprüfung der Farbe auch. Des Weiteren muss darauf geachtet werden, ob beispielsweise die Mustergrenzen des Rapportes des Musters unauffällig sind. Ein Textil kann aber auch über die Bindung gemustert werden. Die Bindung ist die Einstellung des Verlaufs der Fäden in dem Textil. Hierbei gibt es nahezu unendliche Kombinations- und Musterungsmöglichkeiten. Auch diese müssen auf die Richtigkeit überprüft werden.

Struktur
Die Struktur des Gewebes wird erstmal durch die Bindung beeinflusst. Sie bestimmt die Grundoptik des Textils. Außerdem kommt dann die Eigenschaft der Einstellung zum tragen, ob das Gewebe kettverdichtet, schussverdichtet oder gleichseitig ist. Das bedeutet, ob gleich viele Fäden in Kett- und Schussrichtung verwendet werden oder nicht. Je nach dem erhält das Textil unterschiedliche Eigenschaften.

Glanz
Der Glanz eines Textils wird primär durch die Materialeigenschaften und die Einbindung der Fäden und Fasern in das Gewebe im Zusammenspiel mit dem Lichteinfall beeinflusst. Generell gilt: Je gerader und ungebogener eine Faser ist, desto glänzender ist sie, da das Licht stark reflektiert werden kann. Je gebogener, gedrehter und gekräuselter die Fasern und Fäden sind, desto weniger stark glänzt das Textil und wirkt somit matt. Ebenfalls beeinflusst die Bindung des Textils den Glanz. Auch hier ist ein Textil glänzender je länger die Fadenstücke und je mehr gerade Fadenstücke es gibt. Der Fall hängt in erster Linie von der Beschaffenheit der Bindung und der Art des Textils ab.

Fall
Der Fall beschreibt das Verhalten des Textils, wenn es berührungslos gerade hängt. Es wird unterschieden in Textilien, die weich und fließend Fallen. Sie passen sich den Gegebenheiten an und wölben sich und bilden Falten. Das Gegenteil von diesen Materialien sind steife Textilien, die sich nicht den Gegebenheiten anpassen und auch keine Falten bilden. Sie lassen sich schlecht verbiegen und bleiben in ihrem Ausgangszustand.

Fehler
Fehler in der Optik sind hauptsächlich Farbfehler oder Bindungsfehler. Einfach gesagt: Fehler sind alle Auffälligkeiten, die direkt ins Auge springen, die nicht so sein sollten. Diese müssen analysiert werden, auf die Ursache zurück geführt werden und behoben werden, um eine optimale Qualität garantieren zu können

Haptik

Die Haptik beschreibt alle Eigenschaften und Aspekte im Bezug darauf, wie sich das Textil anfühlt. Sie wird durch den Griff, die Struktur, das Material, das Gewicht und die Elastizität beeinflusst.

Griff
Der Griff bezieht sich auf die Wahrgenommenen Merkmale bei dem Berühren eines Textils. Dieser kann beispielsweise weich oder hart, warm oder kalt, rau oder glatt oder auch seifig sein. All diese Attribute sind rein willkürlich mit dem Textil assoziierte Wahrnehmungen und im ersten Moment nicht durch Messgeräte erfassbar sind.

Struktur
Die Struktur eines Gewebes wird hauptsächlich durch die Bindung bestimmt. Hierbei spielt es eine Rolle, wie lang die Flottungen sind; wie hoch die Verkräuzungschäfe der Bindung ist; sowie was für eine Art der Bindung verwendet worden ist. Außerdem ist die Fadenanzahl und deren Einstellung wichtig. Ein Gewebe, das aus sehr vielen Fäden pro Zentimeter besteht, ist viel härter, als ein Gewebe aus wenig Fäden pro Zentimeter.

Material
Je nach dem welches Material für das Gewebe verwendet wird, so ändert sich auch die Haptik. Ein von vorn herein weiches, bauschiges Fasergarn wird ein Gewebe eher weich machen. Ist das verwendete Garn beispielsweise aus Glasfasern oder sind Metallfasern mit eingearbeitet, so wird das Gewebe härter und steifer.

Gewicht
Das Gewicht spielt zusammen mit dem Material und der Bindung. Jedes Material hat ein anderes spezifisches Gewicht. Je schwerer dieses Gewicht ist, umso schwerer wird auch das Gewebe. Auch die Bindung beeinflusst das Gewicht eines Textils in mehreren Punkten. Der erste Bereich ist die Fadendichte. Je mehr Fäden pro Zentimeter verwendet werden, desto schwerer wird das Gewebe. Zweitens gilt, dass je kleinrapportiger die Bindung ist, desto leichter ist das Gewebe.

Elastizität
Die Elastizität eines Gewebes kann durch zwei Dinge entstehen: entweder über die Bindung oder über das verwendete Fasermaterial. Über die Bindung kann jedoch nur eine geringe Elastizität erzeugt werden, welche meistens auf den ersten Blick nicht sichtbar wahrgenommen werden kann. Diese Möglichkeit bietet nicht die Elastizität, die gewünscht ist. Deshalb wird für eine sichtbare Elastizität der Weg über das Material gewählt. Die gängigste Methode ist es einen Elasthanfaden zu verwenden. Durch ihn wird das Gewebe in die Richtung des Fadens dehnbar.

Physikochemische Eigenschaften

Die Palette der Eigenschaften, die ein Gewebe aufweisen kann und der Eigenschaften, die an einem Gewebe gemessen werden können ist riesig. Dennoch gibt es ein Paar gängige Werte, die für jede Gewebeart standardisiert worden sind., da diese besonders wichtig für die weitere Verwendung und die Anwendungsgebiete sind.

Knitterneigung
Die Knitterneigung meint nicht das verhalten, wie schnell ein Gewebe knittert, sondern meint die Geschwindigkeit und Zeit , die ein Gewebe zur Erholung von Knittern braucht. Das heißt, es wird gemessen wie lange es Dauert, bis sich das Gewebe nach dem Knicken wieder komplett geglättet hat. Dieser Wert ist materialabhängig. Die meisten Synthesefasern besitzen eine sehr geringe Knitterneigung. Baumwolle und Viskose sind am anfälligsten für Knitter und brauchen auch am längsten für die Glättung. Dies liegt an der molekularen Beschaffenheit des Materials. Bei einem Knick werden die Moleküle so eng aneinander gedrückt, dass sie untereinander zwischenmolekulare Kräfte eingehen. Diese Kräfte sind so stark, dass es eine längere Zeit braucht, bis sie sich durch die Erdanziehungskraft wieder lösen lassen. Synthesefasern erholen sich schneller, da sie diese Kräfte nicht ausbilden können.

Feuchtigkeitsaufnahme
Die Feuchtigkeitsaufnahme ist ebenfalls ein materialabhängiger Parameter. Hier gilt: alle Synthesefasern können materialbedingt nahezu keine Feuchtigkeit aufnehmen. Die einzige Feuchtigkeit, die ein Gewebe aus Synthesefasern aufnimmt ist die, die in die Zwischenräume der Fasern und der Garne passt. Diese wird dort aber nur durch physikalische Gesetze gehalten und kann sehr leicht entfernt werden. Alle Naturfasern können dauerhaft bis zu 50 Prozent von deren eigengewicht an Feuchtigkeit aufnehmen. Dies liegt erneut an den chemischen Wechselwirkungen, die die Faser mit der Feuchtigkeit eingehen kann.

Luftdurchlässigkeit
Die Luftdurchlässigkeit eines Gewebes wird minimal durch das Material bestimmt. Je dichter ein Garn ist, desto luftundurchlässiger ist es. Den größten Einfluss auf die Durchlässigkeit hat die Bindungseinstellung des Gewebes. Sie definiert, wie groß die Abstände eines Textils sind. Je größer diese sind, umso mehr Luft kann hindurch.

Wärmerückhaltevermögen
Das Wärmerückhaltevermögen beschreibt wie stark und lange ein Gewebe warm hält. Je weniger Luft durch ein Gewebe gelangen kann, desto wärmer hält es. Denn Luft bedeutet Bewegung und eine Luftbewegung nimmt die beispielsweise gerade produzierte Wärme der Haut weg. Ist das Wärmerückhaltevermögen sehr hoch, so wird so viel Wärme vom Gewebe zurück gehalten, dass der beispielsweise der Träger der Kleidung draunter anfängt zu schwitzen.

NSW
NSW steht für Nahtschiebewiderstand und beschreibt wie stark Fäden in einem Gewebe – besonders in Kombination mit einer Naht – dazu neigen übereinander zu rutschen. Je leichter Fäden auf einander verschiebbar sind, desto schneller entstehen Löcher oder desto schneller wird das Gewebe zerstört. Der NSW wird durch die Dichte der Fäden und die Rauigkeit der Fäden beeinflusst. Je dichter ein Gewebe, desto weniger Platz haben die Fäden sich zu verschieben. Je rauer ein Faden, desto mehr Reibung kann er zu einem anderen Faden ausbilden und wird dardurch festgehalten.

Dimensionsstabilität
Die Dimensionsstabilität ist das Ausbeulen von Geweben. Drückt ein Gegenstand gegen das Gewebe, so geben die Fäden nach ehe sie reißen. Sie nehmen die Form des eingedrückten Gegenstandes an und dehnen sich an den am stärksten belasteten Stellen aus. Diese Dehnung muss durch Streckung kompensiert werden. Die Umliegenden Stellen um das gespannte Gewebes ziehen sich zusammen. Diese Veränderung ist stehts bleibend und kann auch durch ein Glattbügeln nicht mehr zurück in den Ausgangszustand gebracht werden, da hier im Endeffekt die Fäden aus der Bindung gezogen worden sind.

Pilling
Das Pilling beschreibt die Knötchenbildung an der Oberfläche eines Textils. Die Knoten entstehen, durch abstehende Häärchen und Filament oder Faserenden, die durch Reibung um einander gedreht werden. Generell

Scheuerbeständigkeit
Die Scheuerbeständigkeit beschreibt das Verhalten eines Textils bei Reibung aufeinander beziehungsweise bei Reibung auf einem Gegenstand. Dies wird unter anderem von dem Material und der Bindung des Gewebes beeinflusst. Je stabiler das Material an sich und je fester und steifer die Bindung ist, desto scheuerbeständiger ist das Textil. Ebenfalls die Scheuerbeständigkeit abhängig von dem auf dem Textil reibenden Material. Je härter und reizender das Material ist, umso schneller wird das Textil zerstört.

Zugfestigkeit
Die Zugfestigkeit beschreibt wie viel Druck ein Textil aushalten kann, bis der erste Faden reißt. Hierbei beeinflussen die Fadendichte, die Materialeigenschaften und die Bindung den Reißpunkt. Je dichter ein Gewebe ist, desto länger dauert es, bis ein Textil reißt, da mehr Reibung zwischen den Fäden entsteht, die das Gewebe zusammen halten. Die Materialeigenschaften spielen eine große Rolle. Jedes Material weist eine unterschiedliche chemische Zusammensetzung auf. Je nach chemischer Struktur sind die Reißkräfte unterschiedlich. Drittens beeinflusst die Bindung die Zugfestigkeit. Je kleiner ein Bindungskapport ist, oder je mehr Fadenverkreuzungen eine Bindung aufweist, desto mehr Reibung entsteht, die das Textil zusammenhält und es später reißen lässt.

Material

Es gibt drei verschiedene Materialarten. Es gibt Synthesefasern, Naturfasern und Regeneratfasern. Synthesefasern sind Fasern, die rein künstlich hergestellt werden und keinen natürlichen Ursprung haben. Sie haben künstlich hergestellte Granulate als Ursprung. Beispiele für Synthesefasern sind Polyester, Polyamid, Polypropylen oder Polyacrylnitirl.

Naturfasern sind Fasern, die direkt aus der Natur stammen. Sie sind Produkte, die Tiere hergestellt haben. Angefangen bei der Wolle der Schafe über Flachs und Leinen bis hin zu dem Seidenfaden der Seidenraupe. Regeneratfasern sind Fasern, die natürlichen Ursprungs sind, welche jedoch synthetisch nachbearbeitet werden. Ein Beispiel hierfür wäre Viskose. Viskose stammt aus Holz, welches nach dem Abbau durch chemische Prozesse modifiziert wird. Weitere Beispiele wären Lyocell oder Cupro.

Eine Ausnahme bilden spezielle Fasermaterialien, die zu keiner der Gruppen gehören. Dies sind zum Beispiel Glasfasern, Keramikfasern oder Metallfasern. Sie finden auf Grund ihrer speziellen Eigenschaften nur selten eine Anwendung.

Basiselemente

Es gibt drei Basisdimensionen, mit welchen die Textiltechnologie arbeitet.

Das sind zum einen Fasern und Filamente. Sie sind die kleinst mögliche Dimension der Textilherstellung. Fasern sind einzelne Teilstücke eines Materials.

Filamente sind Endlosfasern. Die zweite Dimension ist der Faden und das Garn, welche aus den Fasern und den Filamenten entstehen.

Aus den Fäden entsteht die dritte Dimension die Fläche. Sie meint jedes erdenkliches Produkt, welches aus den ersten beiden Dimensionen besteht. Flächen können beispielsweise aus Garnen gewebte oder gestrickte Textilien sein oder ein Vlies, was rein aus Fasern besteht.

Verbindungsarten

Flächen können auf die verschiedensten Weisen mit einander verbunden werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

Verklebung
Hier werden Fasern oder Garne mit einem speziellen Klebstoff verklebt, oder durch Temperatur erhitzt und durch deren Schmelze verklebt.

Verkreuzung
Die Verkreuzung meint das Weben. Fäden werden übereinander und untereinander gelegt und auf bestimmte Art und Weisen verkreuzt.

Verschlingung
Eine Fadenverschlingung ist eine Maschenbildung. Ein oder mehr Fäden werden mit einander Verschlungen, dass sie eine Fläche ergeben.

Verschmelzung
Die Garne oder Fasern werden durch Temperatur angeschmolzen und verflüssigt. Die entstandene Schmelze verklebt beim Abkühlen die Fläche miteinander.

Webprinzip

Das Webprinzip besteht aus einer Reihe von verketteten Vorgängen, die auf einander aufbauen. Als erstes werden Garne auf bestimmte Weisen aufund umgespult. Danach folgt das Zetteln und Schären, das Schlichten, das Einziehen und darauf das Weben.

Spulen

Das Rohmaterial, das der Weberei als Ausgangsprodukt vorgelegt wird sind meistens Fadenspulen. Diese müssen erstmals umgespult werden, da auf den Garnspulen zu kleine Fadenzahlen und Fadenlängen aufliegen, mit welchen ein Webstuhl nicht lange arbeiten würde, da die Spulen zu schnell aufgebraucht wären.
Das Umspulen geschieht über Spulengatter. Auf die Gatter werden alle Spulen gesteckt, die Fäden der Spulen werden zusammengeführt und auf mehrere sehr viel größere Spulen umgewickelt.

Zetteln und Schären

Das Schären und das Zetteln hat beides einen Kettbaum als Endprodukt. Die Technik des Schärens wird angewendet, wenn wenige Kettbäume benötigt werden. Sind viele Kettbäume nötig, so wird gezettelt.

Bei dem Zetteln werden die Spulen aus dem Suplengatter auf ein Zettelgatter umgelegt. Hier werden die Zettelspulen erneut abgewickelt und auf den finalen Kettbaum umgespult. Dieser kann direkt entnommen werden und in die Webmaschine eingesetzt werden. Diese Methode ist fast vollständig maschinell automatisiert und wird bei großen Megtagen eingesetzt.

Bei dem Schären werden aus den Spulen des Spulengatters sogenannte Schärbänder hergestellt. Schärbänder sind parallelisierte Fadenbündel, mit einer definierten Fadenzahl. Sie werden am Garnende zusammengeknotet und per Hand auf einen Schärbaum geknotet. Das Produkt ist ein Schärbaum bestehend aus ganz vielen Schärbändern neben einander. Dieser Schärbaum wird schließlich maschinell auf einen Kettbaum umgebäumt. Auch dieser entstandene Kettbaum kann nach dem Prozess in eine Webmaschine eingesetzt werden. Das Schären wendet man nur bei sehr kleinen Metragen oder sehr seltenen oder teuren Materialien an, da das Verfahren sehr Zeitaufwendig ist. Daher wird es nur noch selten in Betrieben der freien Wirtschaft verwendet.

Schlichten

Nach dem Erstellen des Kettbaumes werden die Fäden mit Schlichte ausgerüstet. Die Schlichte ist ein Schutzfilm aus natürlicher oder synthetischer Stärke, die die Fäden vor mechanischen Beanspruchungen schützt. Die Fäden sind im Zuge des Webprozesses extrem großen Belastungen ausgesetzt, denen sie ohne Schlichte nicht standhalten und reißen würden. Die Fäden werden vom Kettbaum abgezogen, durch ein Schlichtebad geführt und am Ende getrochnet und wieder auf einen Kettbaum aufgewickelt.

Einziehen

Die beschlichteten Kettfäden werden nun in die für das Weben verantwortlichen Webmaschinenteile eingezogen. Dies erfolgt in drei Schritten.

Als erstes werden alle Fäden des Kettbaumes durch sogenannte Litzen eingezogen. Litzen sind dünne Metallplatten mit einem Loch am Ende, durch welches der Faden geführt wird. Sie steuern die Fäden gruppenweise. Mit einer Bewegung einer im Schaft sitzenden Litze, wird eine bestimmte Gruppe von Fäden bewegt.
Danach werden sie durch das Riet geführt. Das Riet ist ein über die gesamte Breite der Webmaschine laufendes Anschlagbrett. Es hat viele Lücken, in die jeweils zwei bis fünf Kettfäden eingezogen werden. Das Riet ist ebenfalls für die Fadenführung der Kettfänden verantwortlich. Außerdem schlägt es den eingetragenen Schussfaden an die Webkante an und sorgt für die eingestellte und gewünschte Fadendichte.
Im dritten Schritt werden auf die eingezogenen Kettfäden Kettfadenwächter geetzt. Jeder Faden erhält einen Wächter. Sie läsen einen elektrischen Kontakt aus, wenn der Faden reißt, damit die Maschine sofort stoppt.

Weben

Der Beginn der Webmaschine bildet der Kettbaum. Von Ihm werden die Fäden über den Streichbaum durch die Litzen in den Schäften in das Riet geführt. Nach dem Riet liegen keine einzelnen Fäden mehr vor, sondern ein Gewebe ist entstanden. Das Gewebe wird abgezogen und auf einen Warenbaum aufgewickelt.

Der Streichbaum ist ein Toleranzelement der Webmaschine. Er ist vertikal beweglich und kann so unterschiedliche Spannungen der Fäden innerhalb des Webprozessen ausgleichen. Ohne ihn würde sich das Gewebe verziehen und nicht spannungsfrei aus der Maschine laufen. Die Schäfte beinhalten und führen die Litzen.

Die Schäfte erhalten die Information der Bindung und bewegen sich je nach Bindung rauf und runter. Dementsprechend bewegen sich die Fäden mit, da die Litzen fest in den Schäften verankert sind. Nach jeder Bewegungsveränderung der Schäfte wird ein Schussfaden um 90 Grad gedreht zu den Kettfäden eingetragen. Nach dem Schusseintrag schnellt das Riet nach vorn und presst den Schussfaden an die Gewebekante. Nachdem das Riet wieder im Ausgangspunkt angekommen ist wird die nächste Bewegung der Schäfte eingeleitet. Ab hier beginnt der Webvorgang von neuem.
Gleichzeitig wird das entstandene Gewebe von einem Abzug – bestehend aus Walten - abgezogen und auf einen Warenbaum aufgewickelt.

Webkante

Es gibt zwei Arten von Webkanten – die echte und die unechte Webkante.

Die echte Webkante ist heute sehr selten zu finden. Bei dieser Webkante wird nur ein durchgängiger Schussfaden im gesamten Gewebe verwendet. Dies funktioniert, indem der Faden nach dem Eintrag auf der anderen Seite des Gewebes gehalten wird, ein Schaftwechsel abgewartet wird und dann zur anderen Seite zurück eingetragen wird. So wird weiter verfahren. Das Produkt ist eine feste kante, die außer durch Zerstörung nicht geöffnet werden kann.

Die unechte Webkante ist heute Gang und Gebe. Hier wird der Schussfaden nach dem eintrag abgeschnitten. Dadurch entsteht eine offene Fransenkante.

Gewebearten

Grundsätzlich werden alle Gewebe in Schmal oder Breitgewebe unterteilt. Schlamtextilien sind alle Textilien unter 50 Zentimeter Breite. Breitgewebe sind – wie der Name schon sagt - breiter als 50 Zentimeter.

Des Weiteren werden Gewebe unterschieden in Einfach und Jacquardgewebe. Hier ist die Musterung die Begrenzung. Ein Gewebe kann nur eine so große Musterung in der Bindung aufweisen, wie viel Schäfte es gibt. Dies ist die grenze der „normalen Webmaschine“. Die meisten Webmaschinen besitzen 8 oder 12 Schäfte; Ausnahmen bilden Maschinen mit 16 Schäften. Sollen Musterungen erstellt werden, die größer sind, so benötigt man eine Jacquardmaschine.
Bei einer Jacquardwebmaschine werden die einzelnen Kettfäden nicht gruppenweise geführt, sondern können tatsächlich alle einzeln gesteuert werden. Dadurch ist die Bindung nicht mehr an eine Fadenzahlbegrenzung gebunden. Die meisten Webmaschinen der freien Wirtschaft sind keine Jacquardmaschinen, da diese aufgrund deren Funktionsweise sehr teuer sind. Jacquardgewebe sind dadurch teurer als „normale“ Gewebe und werden nur bei bestimmten Anwendungen eingesetzt.

Die dritte Unterscheidung wird zwischen Einfach und Doppelgeweben gemacht. Ein Einfachgewebe besteht nur aus einer Schicht Fäden. Ein Doppelgewebe besteht im Endeffekt aus zwei unterschiedlichen Geweben, die mittels einer bestimmten Technik ineinander verbunden werden. Ein Doppelgewebe ist dicker, als ein Einfachgewebe und wird bei Anwendungsbereichen benötigt, bei welchen man auf besonders strapazierfähige, steife und dicke Gewebe angewiesen ist.

Bindung

Die Bindung eines Gewebes bestimmt und beeinflusst nahezu alle erdenklichen Eigenschaften, Verhalten und sonstige Merkmale eines Gewebes. Es gibt drei charakteristische Kriterien einer Bindung: die Seitigkeit, die Einstellung und die Verkreuzungsschäfte.

Seitigkeit

Die Seitigkeit einer Bindung beschreibt, welche der Fadenarten auf der Schauseite dominant ist. Es gibt Kettseitige, schussseitige und gleichseitige Bindungen.

Bei kettseitigen Bindungen sind die Kettfäden auf der Schauseite dominant. Dadurch, dass hier nur Kettfäden sichtabr sind, sind auf der Rückseite nur Schussfäden zu sehren. Die Rückseite ist somit schussseitig.

Bei einer schussseitigen Bindung sind die Schussfäden auf der Schauseite und die Kettfäden auf der Rückseite vorherrschend.

Bei gleichseitigen Bindungen sind die Kett- und Schussfäden zu gleichen Teilen auf der Schau- und Rückseite zu sehen.

Einstellung

Die Einstellung beschreibt das Fadenaufnahmevermögen einer Bindung, beziehungsweise gibt das Verhältnis zwischen Kett- und Schussfäden an. Hier wird in eine kettverdichtete, schussverdichtete und runde Einstellung unterschieden.

Kettverdichtete Gewebe haben deutlich merh Kett- als Schussfäden. Diese Art der Einstellung ist bei den meisten Geweben auf dem Markt zu finden. Dies liegt daran, dass bei den meisten Anwendungsbereichen der Textilien die Belastung auf den Kettfäden liegt. Je mehr Fäden vorliegen, desto mehr Reibung entsteht und desto stabiler ist das Gewebe.
Schussverdichtete Gewebe sind eher selten. Man findet sie nur bei sogenannten Schmuckgeweben, wie beispielsweise Krawattenstoffen. Dies ist im Preis der Herstellung begründet. Schussfäden haben eine höhere Qualität als Kettfäden und sind somit teurer.
Die runde Einstellung meint, dass gleich viele Kett- wie Schussfäden im Gewebe verwendet werden. Diese Einstellung ist neben der Kettverdichteten Einstellung die Gängigste.

Verkreuzungsschärfe

Die Verkreuzungsschärfe gibt an, wie viele einzelne Bindungsstellen in dem Gewebe vorliegen. Eine einzelne Bindungsstelle ist genau eine Fadenverkreuzung. Besitzt eine Bindung viele Verkreuzungen, so ist es stabil und steif. Je mehr Verkreuzungen eine Bindung besitzt, desto weniger oder keine Flottungen hat ein Gewebe. Flottungen sind Fadenstücke, die über eine Strecke von zwei oder mehr Fäden keine Verkreuzung durchführen.

Bindungsarten

Bindungen werden unterschieden in Grundbindungen und Ableitungen. Die Grundbindungen bilden die Basis aller Bindungen. Die Ableitungen werden aus den Grundbindungen entwickelt.

Grundbindungen

Es gibt drei Arten der Grundbindugen: die Leinwandbindung, die Köperbindung und die Atlasbindung. Diese Bindungen weisen alle eine unterschiedliche Struktur, Eigenschaften und sonstige Verhalten auf.

Leinwandbindung

Der Rapport der Leinwandbindung liegt bei einer größe von zwei Fäden. Der erste Faden macht erst eine Hebung und dann eine Senkung. Der zweite Faden macht erst eine Senkung und dann eine Hebung. Diese Bindung ergibt ein Schachbrettartiges Muster und besteht aus reinen Verkreuzungen. Die Leinwandbindung ist die stabilste Bindung, die ein Gewebe haben kann.

Köperbindung

Die Köperbindung besteht aus mindestens einem Rapport von drei Fäden und jeder Faden macht abwechselnd Verkreuzungen und Flottungen. Das Bindungsschema eines Fadens wird bei dem daruaf folgenden Faden immer genau um einen Bewegungsschritt verschoben. Durch diese Verschiebung überlappen sich die Flottungen und eine sichtbare Schrägstruktur entsteht im Gewebe. Je nach dem in welche Richtung die Diagonalen verlaufen wird es „S“ oder „Z“ Grat genannt.

Atlasbindung

Die Atlasbindung besteht aus mindestens fünf Fäden. Jeder Faden macht genau eine Verkreuzung. Auch bei dieser Bindung wird das Bindungsschema der darauf folgenden Fäden verschoben. Allerdings nicht um eine Bewegungseinheit, sondern mindestens um zwei. Dadurch entsteht ein Diagonalgrat, der nicht ganz so dominant wie der des Köpers ist.

Ableitungen

Ableitungen sind Bindungen, die - wie der Name schon sagt – von etwas abgeleitet werden. In diesem Fall ist es die Grundbindung, welche als Basis dient. Es gibt unzählige Möglichkeiten aus einer Grundbindung eine Ableitung zu erstellen.
Die Ableitung und die Grundbindung haben meist ähnliche Eigenschaften, Strukturen und Verhalten, wie die. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Bei manchen Ableitungen kann bewusst eine Bindung mit komplett anderen Eigenschaften erzielt worden sein, um beispielsweise bestimmte Eigenschaften der Basisbindung zu nutzen und sie mit anderen Eigenschaften zu kombinieren.

Leinwandableitungen

Bei der Leinwandbindung gibt es zwei Ableitungen. Den Panama und den Rips.

Bei dem Rips wird eine längs- oder querstreifenorientierte Oberfläche erzeugt, indem Flottungen eingefügt werden, die erst nach mehreren Fäden verschoben wird. Hat die Flottung die Länge drei, so wird erst beim dritten Faden der Bindung, das Bindungsschema um drei Bewegungsschritte verschoben.

Der Panama wird nach dem selben Prinzip wie der Rips erstellt, nur dass die Verschiebung der Bewegungsschritte erst nach dem Faden beginnt, der die selbe Länge wie die Flottung aufweist. Wird bei dem Panama eine Flottung von 4 verwendet, so wird bei dem fünften Faden die Bindung um 4 Bewegungsschritte verschoben.

Köperableitungen

Die Ableitungen des Köpers sind vielfältig.

Es gibt den Abgesetzten Köper, bei welchem der Diagonalgrat durch spezielle bindungstechnische Maßnahmen bewusst regelmäßig unterbrochen wird.

Bei dem Gebrochenen Köper wird in regelmäßigen Abständen die Richtung des Diagonalgrates geändert, sodass die Grate in einer versetzten Spitze zusammenlaufen.

Der Spitzköper ist ähnlich zu dem Gebrochenen Köper. Hier wird ebenfalls die Gratrichtung regelmäßig gewechselt. Jedoch laufen die Grate in spiegelbaren Spitzen planar über.

Es gibt noch viel mehr Ableitungen des Köpers. Die zuvor genannten Bindungen sind die gängigsten.

Atlasableitungen

Die Ableitungen des Atlas erfolgen ebenfalls nach dem selben Prinzip, wie die anderen Ableitungen auch. Die Grundbindung wird um mindestens drei Bewegungsschritte verschoben.

Der versetzte Atlas weist eine geringere Diagonalrichtung auf, indem das gesamte Bindungsschema der Grundatlasbindung erstellt wird und anschließend die Fäden durchnummeriert werden und in der Reihenfolge getauscht werden.

Bei dem Doppelatlas werden alle Bindepunkte über oder untereinander verdoppelt. Hierdurch wird das Gewebe stabilisiert und der Grat der Bindung wird hervorgehoben.

Um die Diagonalstruktur in einer dreidimenstionalen Richtung hervor zu heben wird bei dem Diagonalatlas über komplizierte bindungstechnische Verfahren die Grundbindung modifiziert, sodass manche Stellen im Gewebe eine Wölbung erhalten.

Die vierte Atlasableitung bildet der verstärkte Atlas. Hier werden die Bindepunkte der Grundbindung so ergänzt, dass die Diagonalstruktur des Atlas komplett verschwindet.

Autorin: Isabel Hofmann, Textiltechnologin, 2018